Hey,

in den letzten Wochen ist mir ein Thema immer wieder begegnet, an ganz unterschiedlichen Ecken des Internets. Zwischen Jahresrückblicken, Trend Predictions und all den „2026 wird das Jahr von …“-Posts tauchte eine Frage auffällig oft auf: Ist der AI-Hype vorbei?

Die Frage ist berechtigt. Aber die Antwort ist komplizierter. Lass es mich einmal herunterbrechen: Let’s go!👇

Wir haben inzwischen den längsten Januar seit Beginn der Zeitaufzeichnung überstanden – und damit auch die Hochphase der Trendprognosen. Ich habe mich dieses Jahr bewusst rausgehalten, obwohl mir meine Predictions letztes Jahr ziemlich viel Spaß gemacht haben (und sich, das sage ich mal ganz frech, erstaunlich viele davon bewahrheitet haben 😌). Eine Sache kam fast überall vor: Der Aufstieg der “Messy Ästhetik”, kombiniert mit der These, dass Menschen müde sind von KI-generiertem Content.

Das Gefühl kenne ich auch. Niemand hat Lust auf AI-Slop. Auf Content, der im ersten Moment süß oder lustig wirkt, nur um sich dann im Nachhinein als Produkt eines Rechenzentrums zu entpuppen. Niemand lacht wirklich gern über eine Hasenbande auf einem Trampolin, wenn man später erfährt, dass diese Hasen nie existiert haben. Spätestens wenn die eigenen Eltern OFFENSICHTLICH KI-generierte Videos weiterleiten mit dem Zusatz „Schau mal, ist das nicht süß?!“, merkt man: Irgendwas läuft hier doch schief. Ernsthaft: Wie haben sie es geschafft, uns großzuziehen, wenn sie glauben, 50 Hundewelpen könnten synchron den herabschauenden Hund performen?

Ah und, versteht mich nicht falsch: Ich bin das größte KI-Opfer in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, vermutlich sogar in ganz EU-West. Ich plane mit ChatGPT Reisen, Supplement-Routinen und lasse mir erklären, ob ich timingtechnisch zuerst die Kartoffeln in den Airfryer schieben oder doch lieber den Salat anmachen sollte (ja, meine Freund:innen lachen mich zurecht dafür aus 🥲).

Aber genau deshalb nervt mich schlechter KI-Content vielleicht sogar noch mehr. Uns wurde jahrelang erzählt, KI mache Content schneller, günstiger, besser. Stattdessen verbrennen wir menschliche und ökologische Ressourcen für Müll, oder im besten Fall fürs Mittelmaß.

Haben wir kein Bock mehr auf KI-generierte Inhalte?

Mit diesem Gefühl bin ich übrigens nicht allein. Laut einer YouGov-Studie fühlt sich rund jede zweite Person unwohl, wenn Marken KI-generierte Markenbotschafter:innen statt echter Menschen einsetzen oder Werbebilder mithilfe von KI erstellen bzw. bearbeiten. Besonders spannend: In anderen Untersuchungen schneiden KI-Inhalte teilweise sogar gut ab – bis klar wird, dass sie KI-generiert sind. Das liegt mit Sicherheit zum Einen daran, dass der Großteil der Gen AI Inhalte einfach nicht gut gemacht ist. Zum anderen aber auch, dass wir aktuell eine absolute Übersättigung erfahren. Laut Analysen von originality.ai sind inzwischen über 40 % der Facebook-Longform-Posts KI-generiert (mit einem drastischen Anstieg seit dem Launch von ChatGPT und Gemini).

Kein Wunder also, dass sich gerade eine Gegenbewegung abzeichnet. Wir sehen mehr „messy“ Ästhetik, Scrapbook-Designs, handschriftliche Elemente, sichtbare Unperfektion. Luxusmarken arbeiten wieder gezielt mit Illustrator:innen, um sich visuell von generischer KI-Ästhetik abzusetzen. Kampagnen setzen auf Haptik, auf Dinge, die gebaut, angefasst, fotografiert werden.

Du hast es dir beim Lesen sicherlich schon gedacht, aber: All diese “Trends” eint, dass diese Ästhetik (noch) nicht von KI hergestellt werden kann. Und auch auf Creator-Ebene verschiebt sich etwas. Organische Reichweite gewinnt man immer mehr durch Einordnung, Kompetenz und menschliche Erfahrung:

Kann man all diese Hooks als Prompt bei ChatGPT eingeben? Ja. Wird dabei etwas halbwegs Sinnvolles herauskommen? Nein. Schließlich zeichnen sich Inhalte dieser Art dadurch aus, dass sie menschliche Erfahrungen wiedergeben.

Heißt das, der KI-Hype ist vorbei? Wahrscheinlich nicht.

Wenn man dem Gartner Hype Cycle glaubt (den es übrigens schon seit den 90ern gibt), befinden wir uns gerade im „Tal der Enttäuschung“ – dem Moment nach dem Gipfel der überzogenen Erwartungen, den fast jede technologische Innovation durchläuft. Historisch folgt darauf der „Pfad der Erleuchtung“: die Phase, in der wir verstehen, wo eine Technologie wirklich sinnvoll ist und wo nicht.

Ihr seht es selbst: Im “Plateau der Produktivität” erreichen wir hoffentlich schon bald einen Optimalzustand, der sich irgendwo zwischen aufgeblasenem Hype und sinnvoll eingesetzter Technologie einpendelt.

Meine letzten 2 Cents zum Thema 😌

Die eigentliche Frage ist nicht, ob wir keinen Bock mehr auf KI haben, sondern wie viel KI Content verträgt, bevor er seinen menschlichen Kern verliert.

Fairerweise: Dass gerade viele genervt sind, ist absolut nachvollziehbar. Wir befinden uns aktuell in einer Phase absoluter Content-Übersättigung. Heißt das jetzt, dass wir ab sofort nur noch messy Ästhetiken, Scrapbook-Designs und handschriftliche Elemente sehen werden? Vermutlich nicht, denn das Pendel schwingt ja schließlich weiter! Langfristig werden wir uns wahrscheinlich irgendwo einpendeln zwischen human-made Content (vielleicht sogar explizit als solcher gekennzeichnet) und AI-generated Content, der klar als Werkzeug verstanden wird und hoffentlich weniger Müll produziert.

Was definitiv passieren wird: dass wir Qualität wieder höher bewerten werden als Geschwindigkeit. Die eigentlichen Gewinner:innen in dieser Phase werden meiner Meinung nach Marken und Creator sein, die einen Schritt zurückgehen und sich ehrlich fragen, was sie eigentlich auszeichnet. Warum sollte jemand ausgerechnet ihnen folgen, zuhören oder vertrauen? Wer darauf eine klare Antwort hat, kann KI sinnvoll als Support nutzen, aber nicht, um sich die Arbeit an Haltung, Einordnung und Verantwortung zu sparen. Back to basics also. Irgendwie doch auch ganz schön, oder? 🤝

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Deine
Hannah

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