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Hey,

letzte Woche saß ich mit ca. 7.000 anderen Menschen beim OMR Festival in einer Halle und dachte plötzlich: What the f*ck is happening here?

Auf der Bühne: Saruul Krause-Jentsch von Spotify und Felix Lobrecht und Tommi Schmitt vom Podcast Gemischtes Hack. Das Gespräch lief unter dem Motto “Fandom at Full Volume” und hätte keinen treffenderen Titel haben können.

Um mich herum saßen nämlich tausende Menschen (aka. Hackende), die gespannt zuhörten, lachten und die beiden ansahen, als würden dort gerade ihre eigenen Freunde sitzen. Und ehrlicherweise: Ich selbst auch.

Are we … friends? 🥹👉👈

Als ich so dasaß und den beiden zugehört habe, wie sie dieses Jahr vermutlich ihre Milliarde (!) Streams knacken werden und was ihrer Meinung nach zu diesem Erfolg beigetragen hat, hat sich in mir ein ganz seltsames Gefühl von Vertrautheit eingestellt. Ich kenne ihre Stimmen, ihre Dynamik und Insiderwitze. Konnte teilweise schon erraten, was sie als Nächstes sagen würden. Als hätte mein Gehirn irgendwann mal beschlossen: Diese Menschen gehören irgendwie zu meinem Alltag dazu.

Und ich glaube, genau das beschreibt eines der interessantesten Medienphänomene unserer Zeit: parasoziale Beziehungen.

Ich weiß, das klingt erstmal wahnsinnig akademisch, meint aber eigentlich etwas ziemlich Einfaches: emotionale Beziehungen zu Medienfiguren, obwohl die Beziehung nur einseitig existiert. Früher waren das vielleicht Schauspieler:innen oder Radiosprecher:innen. Heute sind es Menschen aus Podcasts, Streams, sozialen Medien und Vlogs, die uns jeden Tag in ihre Wohnungen, Beziehungen, Routinen und Gedankenwelten mitnehmen.

Warum sind parasoziale Beziehungen in Podcasts so stark?

Podcasts sind wahrscheinlich das intimste Massenmedium unserer Zeit. Wir haben die Stimmen unserer Lieblings-Creator direkt im Ohr, hören ihnen meist alleine zu und das auch noch über den ganzen Alltag hinweg: Beim Putzen, beim Joggen, manche auch beim Einschlafen. Dass genau das einen starken Einfluss auf parasoziale Beziehungen hat, belegen sogar Studien. Irgendwann fühlt sich unser Gehirn nicht mehr so an, als würde es Content konsumieren, sondern als wäre es tatsächlich in Gesellschaft.

Dass parasoziale Beziehungen besonders stark in Podcasts funktionieren, ergibt also total Sinn. Case closed – bis ich exakt dasselbe Gefühl am Wochenende plötzlich bei einem völlig anderen Medium hatte. Letzte Woche habe ich nämlich mehrere Tage lang einem Mann live dabei zugeschaut, wie er durch die kalinfornische Wüste läuft. Nein, wirklich! 😭

Falls ihr es nicht mitbekommen habt: Creator & Profisportler Arda Saatçi ist mehrere Tage lang durch Kalifornien gelaufen. Insgesamt rund 600 Kilometer vom Death Valley bis nach Santa Monica. Die gesamte Challenge wurde live gestreamt. Menschen hatten diesen Stream teilweise tagelang nebenbei laufen. Sind schlafen gegangen, während er lief, morgens aufgewacht und er lief immer noch.

Nein, das war nicht die höchste Spende, die es während des Streams für Arda auf Youtube gab.

Beim Finale haben plattformübergreifend mindestens eine Million Menschen zugeschaut. Und obwohl Arda in Realität meistens nur mit einer Handvoll Leuten (und natürlich sehr vielen Kameras) irgendwo mitten in der Wüste unterwegs war, fühlte es sich beim Zuschauen plötzlich an, als wären wir alle gemeinsam dort.

Menschen haben im Chat und überall auf Social Media mitgefiebert, waren stolz und haben selbst Motivation geschöpft – glaubt mir, mein Longrun am Sonntag ist deutlich länger ausgefallen als geplant. 😂

Kommt es heutzutage überhaupt noch auf Reichweite an? Oder nur noch auf emotionale Bindungen?

Dass das auf jeden Fall erfolgreich sein kann, sieht man gerade auch an einer völlig anderen Ecke des Internets. Creatorin @kikidoyouloveme postet aktuell ihre Hochzeit quasi in Echtzeit. Nicht nur einzelne Sequenzen, sondern ganze Tagesabläufe, Reden, Emotionen, Vorbereitungen, kleine Momente zwischendurch. Begleitet von einem Team, das alles sofort online bringt. Und plötzlich schauen Tausende Menschen quasi live dabei zu, als würde eine Freundin heiraten.

Dass emotionaler Hochzeitscontent per se gut performt, ist jetzt an sich kein Schocker (und ist sogar laut “State of the Internet”-Keynote von Philipp Westermeyer & Roland Eisenbrand eines DER Gewinner-Themen 2026). Dennoch: Als ich gesehen habe, wie viele Likes dieser Beitrag in kürzester Zeit gesammelt hat, konnte ich’s selbst kaum glauben – und habe dann natürlich direkt auch geliked. I mean look, how pretty?!

Das Verrückte daran ist nicht mal, DASS parasoziale Beziehungen entstehen. Das Verrückte ist eher, wie gut das Internet inzwischen Nähe simulieren kann. Anders als “ klassische Prominenz” wirken Creator heute erreichbar, antworten auf Kommentare, posten Alltagsmomente, sprechen direkt in die Kamera und verbringen teilweise hunderte Stunden mit ihrer Community. Und unser Gehirn macht daraus irgendwann etwas, das sich emotional erstaunlich real anfühlt.

Meine letzten 2 Cents zum Thema 😌

Auch wenn ich versucht habe, für das Phänomen “Parasoziale Beziehungen” hier eine Bandbreite an aktuellen Beispielen heranzuziehen, wird den meisten von euch der Begriff vermutlich nicht neu gewesen sein. Und auch nicht, dass es 2026 so sehr wie noch nie darauf ankommt, sich seiner Audience gegenüber authentisch und nahbar zu zeigen.

Früher ging es Medien vor allem darum, unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Heute geht es für Creator aller Art vor allem um eines: Teil unseres Alltags zu werden. Und so gruselig sich das anfühlen (oder anhören) mag, gibt es daran auch einen Hoffnungsschimmer am Horizont! Bei all dem kuriosen AI-Slop im Internet, sich abschottenden und radikalisierenden Communities dort draußen sehnt sich der Großteil vor allem nach einer Sache: Positiver, menschlicher Verbindung.

Vielleicht feuern deshalb Millionen Menschen jemanden dabei an, wie er durch die Wüste läuft. Vielleicht sitzen deshalb Tausende bei einem Podcast-Auftritt und fühlen sich nicht wie Publikum. Vielleicht verfolgen Menschen deshalb Hochzeiten von Creator:innen, als wären sie selbst eingeladen. Vielleicht gewinnen deshalb am Ende nicht die lautesten Stimmen, sondern die menschlichsten. 🫶

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Bis zum nächsten Mal 🫶

Deine
Hannah

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