Hey,
vor ein paar Wochen ist mir in meinen Instagram Ads etwas aufgefallen, das mich inzwischen wahnsinnig macht:
„Es tut uns leid …“
„Wir müssen uns entschuldigen …“
„Wir haben einen Fehler gemacht …“
Und dann steht darunter: –40 %, nur heute.
Je länger ich das beobachtet habe, desto müder wurde ich. Das ist nicht clever. Das ist Clickbait. Der Humor dahinter wirkt – sorry – ein bisschen boomerig. Und diese künstlichen Marketing-Sorrys breiten sich genauso schnell aus wie ein Kettenbrief aus den 2000ern (und fühlen sich genauso unangenehm an).
Und zur Krönung machen jetzt auch noch Organic-Social-Accounts mit. Virgin Airlines veröffentlicht ein offizielles „Apology Statement“, die Beauty-Marke Tower28 entschuldigt sich dafür, dass ihre Produkte „zu gut funktionieren“ – und irgendwo dazwischen verliert sich jede Form von Ernsthaftigkeit.
Ich sag’s ehrlich: Dieser Trend nervt. Höchste Zeit also, dass wir ihn mal auseinandernehmen. Und los! 👇

Fotos: Screenshots Meta Ad Library
Warum sagen eigentlich gerade alle „Sorry“ – ohne ein einziges Mal wirklich etwas zu bereuen? 🤔
Das ist natürlich kein Zufall, sondern findet seinen Ursprung im Performance-Marketing aus der Kategorie: „Wie kriege ich Aufmerksamkeit, ohne ein neues Konzept zu entwickeln?“ → Und kann im Grunde auf diese zwei Begriffe reduziert werden:
Pattern Interrupt:
Ein simples „Sorry“ in einer Umgebung voller Hochglanz, Rabatte und Self-Love-Mantras wirkt ungewohnt = man bleibt stehen.
Information Gap:
Ein Entschuldigungs-Statement macht neugierig. „Wofür entschuldigen die sich?“
Unser Gehirn will diese Lücke schließen – also lesen wir weiter.
Dahinter steckt am Ende also ein einfacher Trick, der im Paid-Bereich schnell gut performt hat. So gut, dass der Algorithmus ihn natürlich noch mehr ausgespielt hat. So oft, bis jeder Advertiser dachte: „Das brauchen wir auch.“ Und wie immer im Performance-Marketing gilt: Was klickt, wird kopiert, variiert, hochskaliert – bis es komplett tot ist.
Warum Organic Marketing plötzlich mitzieht (obwohl es nicht müsste)

Fotos: Instagram-Screenshots @virgin & @tower28beauty
Gute Social-Teams vernetzen sich und sehen, was Paid gerade „zieht“. Und sie sehen die Ads, die Traffic in den Shop pumpen. Und dann passiert Folgendes:
🫵 Interner Druck: „Das läuft im Paid mega – könnt ihr das nicht auch mal machen?“
🫠 Überschätzter Humor: Marken denken, der Trend sei per se witzig. (Spoiler: ist er nicht.)
👀 FOMO: Wenn ein Trend so laut ist, trauen sich wenige, ihn zu ignorieren.
Ergebnis: Social-Teams springen auf einen Zug auf, der bereits am Ende der Strecke ist.
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Warum der Trend nicht nur nervt, sondern deiner Marke wirklich schaden kann
1. Consumer Fatigue
Hierfür hab ich extra einen kurzen Reality-Check gemacht und mich auch mal außerhalb meiner Marketing-Bubble erkundigt: Ja, auch meine Freund:innen, die sich beruflich nicht mit Social Media auseinandersetzen, kannten diesen Trend und fanden ihn inzwischen lame.
2. Clickbait-Mechanik
Diese Entschuldigungen sind im Kern nichts anderes als das Äquivalent zu „Du glaubst nie, was als Nächstes passiert!“. In Ads mag das funktionieren. Im Profil-Feed wirkt es (Verzeihung) etwas trashig.
3. Vertrauensverlust
Ein künstliches „Sorry“ schafft keine Nähe, es zerstört sie. Niemand vertraut einer Marke, die sich entschuldigt, ohne etwas getan zu haben. Es wirkt wie „Emotional Baiting“: künstlich intim, aber null ehrlich.
4. Die Zahlen sprechen dagegen
Diese „Fake-Sorries“ erzeugen zwar kurzfristig mehr Klicks – aber sie zahlen nicht auf das ein, was Marken im Organic wirklich brauchen: Shares, Wiederkehrer, echte Bindung. Du bekommst Aufmerksamkeit, aber verlierst Wiederholungstäter:innen.
Wenn du unbedingt mitmachen willst, dann bitte so:
Nicht jede Marke kann ironisch oder witzig sein – und das ist völlig okay. Mach es also nur, wenn es wirklich zu deiner Marke passt!
Eine Bitte: verzichte auf künstliches Drama. Niemand glaubt, dass „vergessene“ Rabatte eine Entschuldigung brauchen.
Meine letzten 2 Cents zum Thema 😌
Mir ist bewusst, dass wir in einer Aufmerksamkeitsökonomie leben und dass Überraschung (sowie manchmal auch ein bisschen künstliches Drama) ein schneller Weg zu mehr Reichweite ist. Aber bevor du beim nächsten Trend denkst, du musst sofort mitziehen, frag dich lieber kurz: Will ich Aufmerksamkeit oder Wirkung?
Trends können kurzfristig Klicks liefern. Aber langfristig bringt’s dir wenig, wenn deine Community die Pointe schon kennt, bevor du sie ausgespielt hast.
It’s a wrap! Ich hoffe, diese Ausgabe hast du mindestens einmal „Das muss ich weitererzählen!“ gedacht.
Mich interessiert: Wie findest du diesen Trend? Schreib mir gern zurück!
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Bis zum nächsten Mal 🫶



